Brandenburg überrascht Wanderer mit einer stillen, weiten Landschaft, in der Seen, Wälder, Moore und sanfte Hügel den Takt vorgeben. Statt alpiner Höhenmeter warten hier naturnahe Wege, ruhige Ufer und überraschend abwechslungsreiche Regionen. Ob Uckermark, Fläming, Ruppiner Seenland, Märkische Schweiz oder Spreewald – jede Landschaft besitzt ihren eigenen Charakter und lädt zu entspannten Tagestouren ebenso ein wie zu mehrtägigen Wanderabenteuern.
Uckermark – stille Seen und weite Landschaften
Die Uckermark im Nordosten Brandenburgs ist eine Region für alle, die Ruhe suchen. Sanfte Hügel, Felder, Alleen, Wälder und zahllose kleine Seen wechseln sich ab. Die Landschaft wirkt weit und ursprünglich – manchmal beinahe skandinavisch. Besonders reizvoll sind die Schorfheide, der Buchenwald Grumsin, der Naturpark Uckermärkische Seen und die Umgebung von Lychen, Templin und Angermünde.
Beim Wandern begegnen dir hier klare Seen, alte Buchenbestände, Moore und eiszeitliche Hügel. Gerade im Herbst entwickelt die Uckermark eine besondere Stimmung, wenn sich das Laub färbt und Nebel über den Gewässern liegt. Rund um Lychen bieten sich kurze Seenwanderungen an, während der Grumsin und die Schorfheide längere, naturnahe Touren ermöglichen.
Die Uckermark passt besonders gut zu dir, wenn du auf einer Wanderung nicht ständig neue Sehenswürdigkeiten „abhaken“, sondern einfach Landschaft erleben möchtest. Viele Wege sind wenig frequentiert, weshalb eine Karte oder ein gespeicherter GPX-Track sinnvoll sein kann.

Naturpark Fläming – Burgen, Rummeln und sanfte Höhen
Südwestlich von Berlin verändert sich die Landschaft. Der Fläming gehört zu den höheren Regionen Brandenburgs und verbindet sanfte Höhenzüge mit Wäldern, Feldern, historischen Orten und ungewöhnlichen Trockentälern. Diese tief eingeschnittenen Täler werden in der Region Rummeln genannt.
Zu den bekanntesten Ausgangspunkten gehören Bad Belzig, Wiesenburg und Raben. Dort kannst du Wandern mit Kultur verbinden: Burgen, historische Ortskerne und Schlossparks liegen oft direkt an oder nahe den Wegen. Rund um Bad Belzig führen Panoramarouten aus der Stadt hinaus, entlang kleiner Gewässer und hinauf auf die bewaldeten Fläminghöhen.
Besonders bekannt ist außerdem der Kunstwanderweg, auf dem Landschaft und moderne Kunst miteinander verschmelzen. Wer längere Strecken bevorzugt, kann Teilstücke des Burgenwanderwegs erkunden. Der Fläming eignet sich für Tagestouren ebenso wie für Wanderwochenenden mit festem Standort.
Typisch für die Region sind:
- ruhige Wald- und Feldwege,
- mäßige, aber spürbare Steigungen,
- Burgen und historische Dörfer,
- Trockentäler und weite Aussichten.
Gerade im Frühling und Herbst ist der Fläming besonders angenehm. Im Sommer bieten die Wälder Schatten, während offene Abschnitte bei großer Hitze anstrengend werden können.

Ruppiner Seenland – Wandern am Wasser
Das Ruppiner Seenland liegt im Norden Brandenburgs und ist wie gemacht für Wanderungen, bei denen Wasser nie weit entfernt ist. Die Wege führen durch Wälder, Heide- und Moorgebiete sowie an Seen und Flüssen entlang. Das Angebot reicht vom kurzen Spaziergang bis zum mehrtägigen Wanderurlaub.
Eines der bekanntesten Ziele ist der Große Stechlinsee. Sein klares Wasser, die bewaldeten Ufer und die ruhige Atmosphäre machen die Umrundung zu einer der klassischen Seenwanderungen Brandenburgs. Auch rund um Rheinsberg, Neuruppin, Fürstenberg/Havel und Gransee findest du zahlreiche Touren.
Im Ruppiner Seenland lassen sich Wandern und Baden hervorragend verbinden. Im Sommer solltest du deshalb Badesachen im Rucksack haben. Die Wege sind häufig moderat, können aber wegen ihrer Länge und sandiger Abschnitte dennoch ermüden.
Neben der Natur spielt auch die Kultur eine große Rolle. Schloss Rheinsberg, die historische Altstadt Neuruppins und verschiedene Gedenkorte lassen sich in Wanderungen integrieren. Dadurch ist die Region besonders geeignet, wenn du Landschaft nicht völlig losgelöst von Geschichte und Architektur erleben möchtest.

Märkische Schweiz – Brandenburgs kleine Bergwelt
Die Märkische Schweiz zeigt eindrucksvoll, dass Brandenburg mehr kann als flach. Östlich von Berlin rund um Buckow findest du Seen, kleine Hügel, Wälder und steile Trockentäler, die hier Kehlen genannt werden. Der Naturpark Märkische Schweiz ist der kleinste und zugleich älteste Naturpark Brandenburgs. Auf engem Raum vereint er viele typische Landschaftsformen der Mark.
Buckow ist der ideale Ausgangspunkt für Wanderungen. Besonders sehenswert sind der Schermützelsee, der Poetensteig, die Drachenschlucht, die Silberkehle und der Teufelsstein. Schon die Namen klingen nach kleinen Abenteuern – und tatsächlich wirken manche Abschnitte überraschend wild.
Die bekannteste Tour ist die knapp 21 Kilometer lange Naturparkroute Märkische Schweiz. Sie führt durch Wälder, an Seen vorbei und durch teils steile Schluchten. Damit gehört sie zu den abwechslungsreichsten Tageswanderungen Brandenburgs.
Für eine kürzere Runde eignet sich eine etwa sieben Kilometer lange Entdeckertour ab Buckow. Sie lässt sich auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln aus Berlin erreichen.
Die Märkische Schweiz ist besonders schön für:
- sportlichere Tageswanderungen,
- Familien mit wanderfreudigen Kindern,
- Naturfotografie,
- Herbsttouren durch buntes Laub,
- Ausflüge von Berlin aus.
Nach Regen können die schmalen Wege in den Kehlen rutschig sein. Schuhe mit Profil sind deshalb sinnvoll.
Spreewald – Wandern zwischen Fließen und Gurkenfeldern
Der Spreewald wird meist mit Kahnfahrten und Paddeltouren verbunden. Doch auch zu Fuß lässt sich die einzigartige Kulturlandschaft wunderbar entdecken. Zwischen Lübben, Lübbenau, Burg und Straupitz führen Wege an Fließen, Wiesen, kleinen Gehöften und traditionellen Spreewalddörfern vorbei.
Das Besondere ist die Nähe zum Wasser. Immer wieder überquerst du kleine Brücken oder folgst schmalen Wegen entlang der Kanäle. Die Landschaft ist nahezu eben, doch gerade dadurch kannst du längere Distanzen zurücklegen und dich ganz auf die Details konzentrieren: alte Holzhäuser, Heuschober, Kähne und das dichte Grün am Wasser.
Lohnende Wandergebiete findest du unter anderem rund um Lehde, Leipe und Burg. In der kalten Jahreszeit wirkt der Spreewald besonders still. Im Sommer kann die Kombination aus Wanderung, Einkehr und anschließender Kahnfahrt einen abwechslungsreichen Tagesausflug ergeben. Die traditionellen Kahnfahrten erschließen das weit verzweigte Netz der Spreewaldfließe auf besonders entspannte Weise.
Achte bei deiner Tour darauf, dass manche Wege an den Fließen schmal sind und bei Hochwasser oder nach längeren Regenfällen feucht werden können. In den wärmeren Monaten ist außerdem Mückenschutz hilfreich.
Mehr Routen und Inspirationen zum Wandern im Spreewald.

Der 66-Seen-Wanderweg – Brandenburgs große Runde um Berlin
Der 66-Seen-Wanderweg ist der bekannteste Fernwanderweg Brandenburgs. Auf mehr als 400 Kilometern zieht er in 21 Etappen einen großen Kreis um Berlin. Dabei verbindet er Seen, Wälder, Moore, Hügellandschaften, Binnendünen und zahlreiche kleinere Orte miteinander.
Start und Ziel liegen in Potsdam. Von dort führt die Route unter anderem durch das Havelland, das Ruppiner Seenland, das Barnimer Land, das Seenland Oder-Spree, den Spreewaldraum und den Fläming zurück in die Landeshauptstadt. Die genaue Landschaft verändert sich von Etappe zu Etappe, wodurch sich der Weg trotz seines überwiegend flachen Charakters niemals vollkommen gleich anfühlt.
Was dich auf dem 66-Seen-Wanderweg erwartet
Der Weg ist kein alpiner Fernwanderweg. Es gibt keine ausgesetzten Grate und kaum große Höhenunterschiede. Die Herausforderung liegt vielmehr in den langen Tagesetappen. Einige Abschnitte überschreiten 25 Kilometer. Hinzu kommen sandige Wege, die deutlich mehr Kraft kosten können als ein fester Waldpfad.
Unterwegs begegnen dir glasklare Seen, stille Moorlandschaften, Schlösser, Dörfer und historische Städte. Besonders angenehm ist, dass sich viele Etappen mit öffentlichen Verkehrsmitteln organisieren lassen. Dadurch kannst du die Route komplett am Stück, an mehreren Wochenenden oder als Sammlung einzelner Tageswanderungen absolvieren.
Besonders schöne Abschnitte
Zu den landschaftlich reizvollen Teilen gehören die Seen und Wälder im Osten und Südosten Berlins. Rund um Strausberg, Rüdersdorf, Storkow und die Dahme-Heideseen ist die Route besonders wasserreich. Teilstücke führen beispielsweise am Springsee entlang, dessen etwa vier Kilometer langer Uferweg zu einer entspannten Kurzwanderung ausgebaut werden kann.
Auch der westliche Abschnitt rund um Potsdam verbindet Natur mit bedeutenden Park- und Kulturlandschaften. Im Süden führt der Weg durch den Fläming, wo Wälder, Felder und sanfte Höhen die Seenlandschaft ablösen.
Für wen eignet sich der Weg?
Der 66-Seen-Wanderweg eignet sich für Wanderer, die:
- eine längere Fernwanderung ohne alpines Gelände suchen,
- Brandenburg Stück für Stück kennenlernen möchten,
- gerne an Seen und durch Wälder wandern,
- Etappen gut mit Bahn und Bus kombinieren wollen.
Für die komplette Runde solltest du Erfahrung mit langen Tagesdistanzen mitbringen. Einsteiger können zunächst eine einzelne Etappe wählen und später mehrere Abschnitte verbinden.
Rund um die Schorfheide – wandern durch Wälder und Eiszeitlandschaften
Der Rundwanderweg „Rund um die Schorfheide“, häufig auch Schorfheiderundweg genannt, führt in sieben Etappen durch eine der eindrucksvollsten Waldlandschaften Brandenburgs. Je nach offizieller Darstellung wird die Gesamtlänge mit rund 135 bis 143 Kilometern angegeben. Der Weg beginnt in Eberswalde, durchquert Teile des Naturparks Barnim und der Schorfheide und führt durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin wieder zurück.
Die Landschaft auf dem Schorfheiderundweg
Die Schorfheide ist geprägt von ausgedehnten Wäldern, klaren Seen und eiszeitlichen Geländeformen. Der Rundweg führt unter anderem zum Werbellinsee, durch das Umfeld des Buchenwalds Grumsin und zum Kloster Chorin. Der Grumsin gehört zum UNESCO-Weltnaturerbe der alten Buchenwälder.
Auf dem Weg wechseln sich schattige Waldpfade, offene Landschaften und Uferabschnitte ab. Dazu kommen kleine Orte, historische Bauwerke und Zeugnisse der Forst- und Industriegeschichte. Die Schlussetappe Richtung Eberswalde verbindet beispielsweise Natur mit Wasserwegen und Industriekultur.
Die sieben Etappen
Die erste Etappe führt aus der Waldstadt Eberswalde über den Naturpark Barnim nach Biesenthal. Danach geht es weiter Richtung Eichhorst und Werbellinkanal. Eine der besonders reizvollen Etappen verläuft von Eichhorst am Werbellinkanal und Werbellinsee entlang bis Joachimsthal.
Später führt der Weg durch die eiszeitlich geprägte Landschaft von Joachimsthal nach Chorin. Von dort wanderst du über das Ökodorf Brodowin weiter nach Oderberg. Das Kloster Chorin gehört zu den kulturellen Höhepunkten der gesamten Runde.
Die einzelnen Tagesstrecken sind überwiegend lang und liegen teilweise deutlich über 20 Kilometern. Die zweite Etappe von Biesenthal nach Eichhorst misst beispielsweise rund 22 Kilometer und ist mit einem blauen Baum markiert.
Anspruch und Planung
Technisch ist der Schorfheiderundweg nicht besonders schwierig. Die Herausforderung liegt in den Entfernungen und in der teilweise dünnen Infrastruktur. Verpflegung und Wasser solltest du deshalb nicht ausschließlich von Einkehrmöglichkeiten abhängig machen.
Für eine mehrtägige Tour empfiehlt es sich, Unterkünfte und Transfers frühzeitig zu planen. Einige Etappenorte sind gut per Bahn erreichbar, andere erfordern Busverbindungen oder eine individuelle Organisation.
Der Rundweg eignet sich besonders für dich, wenn du:
- lange Waldwanderungen liebst,
- Ruhe und Tierbeobachtungen suchst,
- mehrere Tage ohne große Höhenunterschiede wandern möchtest,
- Natur und Kultur miteinander verbinden willst.
- Weitere schöne Wanderungen in Brandenburg
Neben den großen Fernwegen findest du zahlreiche kürzere Rundtouren. Besonders lohnend sind:
- Naturparkroute Märkische Schweiz: Knapp 21 Kilometer durch Wälder, Kehlen und entlang mehrerer Seen. Eine der sportlicheren Tageswanderungen Brandenburgs.
- Rundweg um den Stechlinsee: Ein Klassiker im Ruppiner Seenland mit klarem Wasser und bewaldeten Ufern. Die Region zählt den Weg zu ihren besonderen Wasserwandererlebnissen.
- Auwald- und Seenwanderungen im Spreewald: Flache Wege entlang von Fließen, Wiesen und traditionellen Dörfern – gut mit Kahnfahrt oder Einkehr kombinierbar.
- Wanderungen rund um Bad Belzig: Waldwege, Fläminghöhen und die für die Region typischen Rummeln sorgen für überraschend viel Abwechslung.
- Mühlensee-Rundweg bei Schwante: Eine etwa sechs Kilometer lange Runde am Wasser, die sich als entspannter Halbtagesspaziergang eignet. Der Weg ist nicht durchgehend als offizieller Rundweg markiert, lässt sich mit Track und Infotafeln aber gut nachvollziehen.
Die beste Zeit zum Wandern in Brandenburg
Im Frühling sind Wälder und Wiesen besonders frisch, während die Temperaturen meist angenehm bleiben. Der Sommer eignet sich für Touren mit Badepause, kann auf offenen und sandigen Abschnitten aber heiß werden. Ausreichend Wasser und Sonnenschutz sind dann besonders wichtig.
Der Herbst ist wahrscheinlich die stimmungsvollste Wanderzeit. Buchenwälder, Seen und Moore leuchten in warmen Farben, und die Wege sind häufig ruhiger als im Sommer. Auch Winterwanderungen haben ihren Reiz: Die flache Landschaft, klare Luft und vereisten Seeufer erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre.
Nach längeren Regenphasen können Moor- und Uferwege schlammig sein. In trockenen Sommern wiederum erschweren sandige Abschnitte das Gehen.
Praktische Tipps für deine Wanderung
Brandenburg wirkt sanft, sollte aber nicht unterschätzt werden. Gerade auf Fernwegen liegen Ortschaften und Einkehrmöglichkeiten teilweise weit auseinander. Pack deshalb ausreichend Wasser und Proviant ein. Ein heruntergeladener GPX-Track hilft auf weniger eindeutig markierten Abschnitten.
Im Sommer gehören Sonnen- und Insektenschutz in den Rucksack. Bei Wanderungen durch Schutzgebiete solltest du die markierten Wege nicht verlassen, Hunde anleinen und sensible Uferbereiche respektieren. Das gilt besonders in den zahlreichen Naturparks, Biosphärenreservaten und Moorlandschaften.
Da viele Touren an Bahnhöfen beginnen und enden, lohnt sich die Planung mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Prüfe Busverbindungen auf dem Land jedoch vorher genau – manche Linien fahren nur selten oder saisonal.
Fazit
Wandern in Brandenburg bedeutet nicht, spektakulären Gipfeln hinterherzujagen. Es bedeutet, den Blick für die leisen Landschaften zu öffnen: für einen stillen Waldsee, eine schmale Schlucht, einen weiten Horizont oder das Geräusch des Windes im Schilf.
Die Uckermark begeistert mit Ruhe und Ursprünglichkeit, der Fläming mit sanften Höhen und Burgen, das Ruppiner Seenland mit klarem Wasser. In der Märkischen Schweiz wird Brandenburg überraschend wild, während der Spreewald seine ganz eigene Wasserwelt eröffnet.
Mit dem 66-Seen-Wanderweg und dem Schorfheiderundweg besitzt das Land außerdem zwei großartige Mehrtagestouren. Sie zeigen Brandenburg nicht als flaches Durchgangsland, sondern als vielseitige Wanderregion, in der du über viele Kilometer immer wieder Neues entdeckst.
Und manchmal liegt das größte Wanderglück eben nicht auf einem Gipfel – sondern an einem stillen See mitten im Wald.